Das schwule Straßenfest fand zum ersten Mal im Jahr 1991 statt. Anlass war der 5. Geburtstag des Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrums Sub e.V. Seitdem hat sich das Hans-Sachs-Straßenfest als fester Bestandteil des lesbisch-schwulen Sommers etabliert und findet traditionell am Samstag nach Maria Himmelfahrt statt.
Das Straßenfest hatte jedes Jahr größeren Zulauf und platzte schon nach wenigen Jahren aus allen Nähten. Aus diesem Grund gehört seit dem Jahr 2000 auch die Ickstattstraße zur Partyzone. Mit dieser Regelung hat das Sub eine Sondergenehmigung der Stadt erhalten, denn laut Vorschrift dürfen sich Straßenfeste immer nur auf eine Straße konzentrieren.
Die Verschnaufpause, die der Flächenzuwachs brachte, war jedoch nur von kurzer Dauer. Seit 2002 müssen wir auf Drängen der Ordnungsbehörden das Straßenfest einzäunen, um den Ansturm der Besucher in Grenzen zu halten. Nur so können wir die Sicherheit aller Besucher gewährleisten. Insgesamt können jedes Jahr bis zu 10.000 Menschen gleichzeitig feiern. Wir raten deshalb allen ab, mit Fahrrädern, Kinderwägen oder Hunden zu kommen.
Seiner Beliebtheit wegen ist das Hans-Sachs-Straßenfest heute nach dem CSD sicherlich die größte Veranstaltung der Münchner Community, die weit über Münchens Stadttore hinaus bekannt ist. In jedem Fall ist es aber Münchens bekanntestes lesbisch-schwules Straßenfest.
In diesem Jahr feiert das Sub sein 24-jähriges Bestehen, das Hans-Sachs-Straßenfest selbst wird 20. Seit 24 Jahren ist das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum die erste Anlaufstelle für Münchner und Gäste der Stadt. Seit 24 Jahren bietet das Sub psychosoziale Beratung für schwule Männer und seit 15 Jahren sind wir mit dem Projekt Prävention in der HIV-Aufklärung aktiv. Unsere Service- und Informationseinrichtungen, unsere Freizeit- und Selbsthilfegruppen werden seit Jahren von vielen Schwulen dieser Stadt genutzt und geschätzt. Als der SchwuKK e.V. am 4. September 1986 ins Vereinsregister eingetragen wurde, konnte niemand ahnen, dass das Sub über ein Vierteljahrhundert hinweg Bestand haben und seine Angebote kontinuierlich ausweiten würde. Seit im Jahre 1969 der Paragraph 175 liberalisiert und damit der Weg frei wurde für die erste politische Schwulenbewegung der Nachkriegszeit, hat kaum ein schwuler Verein in München eine solche Bedeutung erlangt.
24 Jahre Sub stehen für 24 Jahre selbstbewusstes schwules Leben in München. Der Verein war 1986 einzig in seiner Art und ist es noch heute. Gegründet wurde das Sub als Dach für alle Schwulengruppen der Stadt und als Teil der Szene. Konkurrenz wollte das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum niemandem machen; das Sub sollte – nachdem AIDS und der restriktive Maßnahmenkatalog eines Peter Gauweilers das schwule Leben Münchens in seinem Bestand ernsthaft bedroht hatten– die zersplitterte Schwulenbewegung bündeln und stark für die Zukunft machen. Diesen historischen Moment wollen wir in diesem Jahr gebührend feiern.
18. Mai 2010
Conrad Breyer